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Lauf doch nicht immer weg!

Mit der turbulenten Komödie um Liebschaften, einen Soldaten und insbesondere Pfarrer bescherten die Griedeler Laienschauspieler dem Publikum an zwei Wochenenden insgesamt fünf wahrhaft brillante Theaterabende und brachten die Lachmuskeln des Publikums ordentlich in Bewegung. Das Stück spielt 1942 in England. In der Landpfarrei des Pfarrers Lionel Toop (Jürgen Michel) herrscht Krisenstimmung. Penelope Toop (Diana Hof), seine Frau, eine ehemalige und eher mittelmäßige Schauspielerin, versetzt durch ihre unkonventionelle Art die ländliche Bevölkerung in helle Empörung. Argwöhnisch von der Kirchenvorstandsdame Miss Skillon (Betina Adami) beäugt und vom frechen Dienstmädchen Ida (Anne Sekels) mit passenden Sprüchen kommentiert, entwickelt sich eine Verwechslungskomödie, an der auch der Ex-Schauspielerkollege Penelopes Corporal Clive Winton (Michael Hippenstiel), jetzt Soldat, ein ungebetener Gast (ein entflohener deutscher Kriegsgefangener und Nazi, Burkhard Schimpf), Penelopes Onkel, der Bischof von Lax (Roland-Jörg Frisch) und der Ersatz-Pfarrer Arthur Humphrey (Wolfgang Krüger) teilhaben. Am Ende sind fünf Pfarrer im Pfarrhaus versammelt, drei echte und zwei unechte. Im heiteren Ratespiel 'who is who?' gibt ein Satz den anderen, setzt eine Pointe die nächste.

Der Nazi ist eigentlich ein deutscher Kriegsgefangener auf der Flucht, der sich in ein englisches Pfarrhaus verirrt hat und dort noch mehr Verwirrung stiftet, als ohnehin schon angerichtet wurde. Denn während Pfarrer Toop außer Haus ist, kommt ein Jugendfreund seiner Frau zu Besuch, der zwischenzeitlich den Pfarrer mimt, um als Soldat nicht erkannt zu werden. Und weil außerdem Ersatzpfarrer Humphrey sowie der Bischof eintreffen und sich der geflohene Deutsche als Kleriker verkleidet, gibt es ein paar Pfarrer zu viel. Da fliegen die Türen auf und zu, da rennen die Leute durch den Raum, und schrille Frauen fallen in Ohnmacht. So kann etwa der Herr Bischof mit einem riesigen Koffer hereinstolzieren. Schön übrigens auch, wie der hohe Kirchenmann vom Dienstmädchen stets mit „Hoheit“ angesprochen wird und auf seinen sanften Widerspruch prompt den Titel „Heiliger Vater“ erntet. Es gibt eine Menge Sprachwitz in dieser Komödie („Ich suche eine Freundin.“ – „Suchen Sie da was Bestimmtes?“), All das ist perfekt einstudiert: Da sitzt jedes Hinfallen in die Arme des Partners, da bleibt keine Figur zu lange im Wandschrank. Die mondäne Gattin und das kecke Dienstmädchen sind schon eine Schau, aber die altjüngferliche Miss Skillon, die veralbert, abgefüllt, herumgeschubst und versteckt wird, ist der Knüller des Abends. Gegen dieses turbulente Trio spielen die fünf Mehr-oder-weniger-Pfarrer mit Inbrunst und Bravour an. Mitleid verdient nur Sergeant Towers (Christian Wölflick). Auf der Jagd nach dem entflohenen Deutschen erkennt er: „Was wir suchen ist ein Mann, der angezogen ist wie ein Pfarrer.“ Davon gibt es aber reichlich. Schön war auch zu erleben, wie man einen Nazi entwaffnet? Ganz einfach: Man ruft ihm ein schneidiges „Heil Hitler!“ zu, und wenn er stracks den Arm ausstreckt, kitzelt man ihn unter der Achsel, so dass er die Pistole fallen lässt. Die 1945 uraufgeführte Farce des Engländers Philip King, von den Griedeler Laiendarstellern professionell umgesetzt, bietet alles, was ein amüsierwilliges Publikum sich wünschen kann. Als Dank für die grandiose schauspielerische Leistung gab es immer wieder langanhaltenden Szenen-Applaus und am Ende Standing Ovation. Auch die beiden Neulinge auf der Bühne Christian Wölflick und Wolfgang Krüger spielten schon wie die Profis. Ein Lob an die Regie, die in Gemeinschaftsarbeit erfolgte. Ohne sie geht gar nichts, die Souffleusen, Ilona Haas und Evelyne Gambs. Ein besonderes Lob geht an Martina Gondolf, die für die Maske verantwortlich war und nicht zuletzt an Irina Boos, die sich als i-Tüpfelchen für jeden Darsteller individuell, speziell auf die 40er Jahre abgestimmt, eine perfekte Frisur hatte einfallen lassen.

Verantwortlich für den Kartenvorverkauf Brigitte Schrenk und für Dies und Das waren Renate Prüller sowie Reinhold Strauch und Lothar Adami immer zur Stelle.

Die Laienbühne Griedel dankt allen Zuschauern sowie fleißigen Helfern hinter der Theke und freut sich jetzt schon auf ein Wiedersehen bei den nächsten Aufführungen.

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